Beckenbodentraining klingt langweilig. Zumindest nicht nach Abenteuer und Adrenalinausschüttung. Es macht aber Sinn, sich mit dem Thema Beckenboden auseinanderzusetzen. Damit weitere Abenteuer dann mit einem guten Körpergefühl möglich sind.

Beckenbodentraining bringt es. Das klingt zuerst mal nicht so. Aber unsere Lebensqualität wird stark davon beeinflusst, wie es unserem Beckenboden geht. Mit einem verlässlichen Beckenboden fühlen wir uns körperlich und psychisch besser.

Ein schwacher Beckenboden kann zu Schmerzen im Unterleib oder zu Rückenschmerzen führen. Unser sexuelles Empfinden können wir verbessern, wenn unser Beckenboden gut funktioniert. Und ein verlässlicher Beckenboden gibt Sicherheit.

Ein gesunder Beckenboden führt zu mehr Wohlempfinden. 

Wenn wir bereits früh beginnen, die Muskulatur des Beckenbodens wahrzunehmen und zu aktivieren, können wir präventiv mit wenig Aufwand sehr stark dazu beitragen, Probleme abzuwenden.

Sehr viele Frauen leiden unter den Auswirkungen eines schwachen Beckenbodens. Meistens beginnen die ersten Beschwerden nach den Geburten, aber spätestens nach der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren sind sehr viele Frauen von den Auswirkungen einen geschwächten Beckenbodens betroffen. 

Gründe einer schwachen Beckenbodenmuskulatur:

Es ist normal, dass mit zunehmenden Alter der Beckenboden an Stabilität verliert. 

Die häufigsten Gründe für eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur sind Bindegewebsschwäche, Hormonumstellung und genereller Muskelabbau. 

Dazu kommen starke Belastungen für den Beckenboden, die sich über die Jahre summieren. Das sind Schwangerschaften und Geburten, starkes Übergewicht, schwere körperliche Arbeit oder eine passive Lebensführung mit wenig Bewegung. 

Bewegungsmangel ist neben vielem Sitzen eine starke Ursache für Beckenbodenschwäche.

Es summiert sich über die Zeit, wie wir im Alltag mit unserem Körper umgehen. Es zeigt sich nach Jahren, ob wir uns regelmässig bewegt haben oder einfach viel zu wenig. 

Auch chronischer Husten kann sich auf den Beckenboden negativ auswirken. 

Deswegen wird Beckenbodentraining mit zunehmenden Alter immer wichtiger.

Aber auch junge Frauen sind betroffen. Vor allem nach Schwangerschaft und Geburt ist Beckenbodentraining im Rahmen der Rückbildungsgymastik wichtig. 

Aber damit soll es nicht belassen sein. Immer wieder werde ich gefragt, wie lange Rückbildungsgymnastik etwas bringt. Es bringt immer etwas! Direkt nach der Geburt braucht unser geschwächte Beckenboden mehr Aufmerksamkeit. Aber das braucht er auch mit der hormonellen Umstellung oder wenn wir uns zu wenig bewegen.

Wir sollten Beckenbodentraining als Teil einer aktiven Lebensführung sehen. Damit meine ich, dass wir uns bewusst machen, wie stark ein gesunder Beckenboden mit unserer Lebensqualität zu tun hat und dass wir ihn nicht ausblenden, sondern stärken, stützen und schätzen.

Beckenbodentraining kann folgende Beschwerden lindern:

Rückenschmerzen und Verspannungen

Ist der Beckenboden schwach, wirkt sich das durch die Muskelkette auch auf andere Körperbereiche aus. Die Muskeln arbeiten zusammen und eine Schwachstelle hat somit auch Konsequenzen für andere Körperregionen.

Ein geschwächter Beckenboden kann deswegen ein Grund für Rückenschmerzen sein. Rückenschmerzen verändern die Körperhaltung oder werden durch eine solche verursacht. 

Bei Haltungsprobleme verändert sich die Dynamik, wie die Organe und Muskelketten miteinander und aufeinander wirken. Das kann zu Verspannungen und Schmerzen führen. Einzelne Muskeln werden einseitig belastet und verspannt. Es verändern sich die Kräfte und wie sie auf Organe und Muskeln wirken.

Wird der Druck der Lendenwirbelsäule zu stark, kann das die Ausrichtung der Scheide verschieben. Das kann wiederum eine Scheidensenkung begünstigen. Wird dann auch noch beim Stuhlgang massiv gepresst, viel gesessen und wenig Bewegung im Alltag eingebaut, kann der Prozess schnell verschlechtert werden.

Bei einem starken Rundrücken wird das Zusammenspiel von Zwerchfell und Bauchorgane gestört. Der Druck auf das Becken steigt. Die Organe drücken so stärker auf die Beckenbodenmuskulatur und können diese auf Dauer schwächen.

Muskeln sind nicht als Einzelmuskel zu sehen, sondern unser Körper ist als ein kluges Zusammenspiel zu verstehen. Die Muskelketten sind miteinander in Kontakt und beeinflussen sich gegenseitig. So kann sich eine Schwachstelle in der Rückenmuskulatur weiter auf den Beckenboden auswirken und umgekehrt. Die Dynamiken sind gestört.

Der Körper muss immer als Ganzes gesehen und behandelt werden.

Gebärmutter- oder Scheidensenkung, Unterleibsschmerzen und Fremdkörpergefühl

Der Beckenboden hält die Organe am Platz. 

Ist der Beckenboden nicht stabil genug, können die Organe nicht an ihrem Platz gehalten werden. Sie sinken dann nach unten ab, was verstärkt wird, wenn wir uns im Alltag nicht beckenbodenfreundlich verhalten.

Dazu gehört alles, was den Bauchdruck verstärkt und somit Druck auf die Beckenbodenmuskulatur ausübt. Beispielsweise zu schweres oder falsches Heben, falsches Toilettenverhalten, wenig Bewegung usw.

Die Beschwerden einer Organsenkung sind ein Gefühl des Drucks nach unten. Oder einfach das Gefühl, nach unten nicht gut abgeschlossen zu sein. 

Das Absinken der Gebärmutter oder Scheide löst sehr häufig ein Fremdkörpergefühl aus. Eine Organsenkung kann auch schmerzhaft sein, weil die Organe anderen Druckverhältnissen ausgesetzt und nicht so geschützt sind.

Mit Beckenbodentraining wird die Haltemuskulatur verstärkt und eine Organsenkung kann deutlich verbessert werden.

Inkontinenz 

Beckenbodenschwäche bedeutet nicht automatisch Inkontinenz. Aber Beckenbodenschwäche kann sehr leicht zu Inkontinenz führen. Umgekehrt weist Inkontinenz, also die unkontrollierte Öffnung der Schließmuskeln, darauf hin, dass sehr wahrscheinlich eine Beckenbodenschwäche vorliegt.

Unkontrollierter Harnabgang ist immer noch ein großes Tabuthema. Sollte es nicht sein, denn es sind sehr viele Menschen betroffen. Vor allem Frauen. 

Es ist nicht verwunderlich, dass Fernsehwerbung für Inkontinenz-Einlagen vor dem Hauptabendprogramm gesendet wird. Es weist deutlich darauf hin, dass die betroffenen Frauen keine Einzelfälle sind.

Meistens sind es die Situationen, bei denen die Beckenbodenmuskulatur reflektorisch reagieren würde, in denen ein schwacher Beckenboden nicht verlässlich ist. Also beim Niesen, Lachen oder bei Sprüngen. Die Funktion des Beckenbodens ist gestört, bei plötzlichen Belastungen zu reagieren und dem Druck gegenzuhalten.

Inkontinenz verursacht Unsicherheit. 

Ein starker Beckenboden hingeben gibt Sicherheit. Beckenbodentraining ist hier eine effektive und hilfreiche Lösung.

Soziale Unsicherheit

Ist der Beckenboden nicht verlässlich, führt das dazu, dass wir uns unsicher fühlen. Können wir einfach drauflos laufen? Wenn die Inkontinenz weiter fortgeschritten ist, hat das auch Auswirkungen auf unsere Lebensqualität.

Der Beckenboden ist in seiner Funktion so angelegt, dass er anspannt, wenn ein plötzlicher Bauchdruck auftaucht. Beim Niesen, Lachen oder Husten sind wir grundsätzlich geschützt. Nur wenn wir den Beckenboden stiefmütterlich behandeln oder er durch Hormonumstellung oder Geburten geschwächt ist, ist diese Funktion gestört. Auch zu wenig Bewegung oder zu vieles Sitzen belastet dieses System.

Der Beckenboden kann dann dem plötzlich auftauchendem Druck nicht standhalten. Ist die Muskulatur geschwächt, funktioniert die Schließmuskulatur nicht verlässlich.

Das kann verunsichern. Das kann dazu führen, dass Situationen vermieden werden, dass wir uns einschränken in Aktivitäten, die sonst unser Leben bereichern.

Ein gesunder Beckenboden gibt Sicherheit. Mit einem gesunden Beckenboden fühlen wir uns von innen heraus besser.

Deswegen macht uns ein gesunder Beckenboden selbstbewusster.

Orgasmusprobleme

Über den Beckenboden kann unser sexuelles Empfinden gesteigert werden. 

Wesentlich bei Beckenbodentraining ist, dass wir die Muskulatur des Beckenbodens wahrnehmen und stärken. Wichtig ist aber auch, dass wir unseren Beckenboden entspannen und loslassen können. Überspannung kann ebenso ein Problem sein. 

Wir brauchen die Entspannung des Beckenbodens beim Harnlassen und beim Stuhlgang, bei den Geburten und auch sexuell hilft es uns, wenn wir uns komplett entspannen können.

Durch die bewusste Auseinandersetzung mit der Beckenbodenmuskulatur und deren Funktionsweise unterstützen wir sie in ihrer natürlichen Aufgabe.

Ein aktiver Beckenboden steigert die Durchblutung der Sexualorgane und erhöht die Empfindsamkeit.

WAS KÖNNEN WIR TUN?

Welche konkreten Schritte können wir setzen?

BECKENBODENTRAINING VERSTEHEN

Der erste Schritt ist die Auseinandersetzung mit dem Beckenboden. Es geht darum, die Muskulatur wahrzunehmen und aktivieren zu können. 

Nicht nur die Schließmuskeln sollten trainiert werden, sondern die gesamte Muskulatur des Beckens. 

Ideal ist auch, die Core-Stabilty zu trainieren. Das schützt den Beckenboden im Alltag, verringert Verletzungen und verhilft uns zu einer aufrechten Körperhaltung.

BECKENBODENTRAINING IM ALLTAG EINBAUEN

Beckenbodentraining muss nicht langweilig sein. Am einfachsten ist es, gute Übungen für ein effektives Beckenbodentraining mit neuen Gewohnheiten im Alltag zu integrieren.

Beispielsweise immer, wenn wir im Supermarkt in der Warteschlange stehen. Der Vorteil vom Beckenbodentraining ist, dass die Bewegungen so klein sind, dass niemand mitbekommt, wenn wir trainieren.

BECKENBODEN IM ALLTAG SCHÜTZEN

Es spielt nicht nur eine Rolle, wie viel wir unseren Beckenboden trainieren, sondern wesentlich ist, wie wir den Rest des Tages mit unserem Beckenboden umgehen.

Wenn wir ihn tagtäglich quälen, bringen die Übungen wenig. Deswegen sollten wir im Alltag etwas mehr auf unseren Beckenboden achtgeben. Oft ist uns gar nicht so bewußt, was unserem Beckenboden schadet. Hier ist eine Auflistung, wie wir unseren Beckenboden im Alltag freundlich behandeln können.

MEHR BEWEGUNG IM ALLTAG EINBAUEN

Unser Körper braucht Bewegung! Bewegungsmangel ist Ursache für zahlreiche Beschwerden. Mit etwas mehr Bewegung können also nicht nur Beschwerden rund um den Beckenboden gelindert werden.

Hier geht es nicht um intensive Sporteinheiten, sondern einfach um etwas mehr Aktivität. Mehr gehen, mehr Treppen steigen, nicht so viel sitzen…

Mir ist wichtig, dass ein schwacher Beckenboden thematisiert wird. Beckenbodenprobleme sollten kein Tabuthema sein. So können viele Frauen ihre Lebensqualität verbessern.

Ich wünsche noch einen schönen Tag!

Alles Liebe

Gerlinde

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